von der Toskana bis zur Nordseeküste

In der Region gibt es eine neue Radtour-Strecke: Die gute Route. Als wir davon Wind bekamen, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, sie zu testen. Die Tour zum Dümmer, die wir uns vorgenommen haben, ist sicherlich, auch dank der E-Bikes, sehr gut zu meistern und schon vorab: sie ist absolut lohnend. Richtiges Urlaubsfeeling kommt auf! Mal das Gefühl vom Urlaub in der Toskana und ein paar Kilometer weiter fühlt man sich wie an der Küste. Die Tour ist abwechslungsreich und für Überraschungen gut.

Unsere Tour beginnt auf dem Kirchplatz in Bad Essen. Mit von der Partie sind drei Mitarbeiter unseres Teams. Mit gehangen, mit gefangen – hier wird niemand allein auf die Reise geschickt. Also trafen wir uns mit E-Bikes und dem Plan der Guten Route ausgestattet, um zu sehen, ob sie hält, was sie verspricht. Gut gelaunt und voller Elan geht es los. Ein freundliches „Hallo“ hier, ein energisches Winken dort – das ist Bad Essen, man kennt sich und das macht seinen Charme aus. Alle sind hier sehr freundlich. Unseren ersten Stopp machen wir bei der Schmiede in Harpenfeld. Sie steht auf dem Dorfplatz und ist sehr idyllisch am Dorfteich gelegen. In der Harpenfelder Dorfschmiede wird das Handwerk am Leben erhalten. Zu bestimmten Anlässen wird hier noch immer gearbeitet und alle zwei Wochen dürfen auch Besucher mit Hand anlegen. Wer möchte, kann auch das „Harpenfelder Schmiedediplom“ erhalten. Unser nächstes Ziel auf der Route lautet: Schloss Hünnefeld. Auf dem Weg dorthin fährt man vorbei an Weiden mit Pferden und bei unserem Glück mit süßen Fohlen. Unser Fotograf ist spätestens jetzt dezent genervt – muss er doch bei jedem Tier anhalten und es fotografieren. So kann es gehen, wenn im Verlag ein Frauenüberschuss herrscht. 

Weite Strecken fährt man am Wasser entlang.
So macht das Radeln echt Freude!
Die Dorfschmiede in Harpenfeld ist zu besonderen Anlässen
weiterhin aktiv.

Ein wunderschönes Stück Geschichte

Auf dem wunderschönen Weg nach Schloss Hünnefeld erblickt man den Ruheforst – den ich persönlich mir irgendwann noch einmal genauer anschauen werde. Bei einer Kollegin streikt augenscheinlich der Motor des E-Bikes. Sie muss sich abkämpfen. Nun ja, von allein fährt sich das Fahrrad natürlich auch nicht. Ich belächle die Situation ein wenig und fahre weiter. Auf nach Schloss Hünnefeld! Als wir angekommen sind, müssen wir definitiv eine Pause machen, denn im Gegensatz zu den Tieren sind wir uns hier einig: Das Schloss mitsamt Umgebung ist einige Fotos wert. Die Wasserburg stammt aus dem 13. Jahrhundert. Drei Generationen der Familie von dem Bussche-
Hünnefeld bewohnen das Schloss. Die Parkanlage vor dem Schloss ist für die Cafégäste der Alten Rentei zu begehen. Besichtigungen können telefonisch vereinbart werden. Auf dem Wirtschaftshof vom Schloss, im Kreuzgewölbe, das vermutlich mal eine Kapelle von Hünnefeld war, kann man sich sogar standesamtlich trauen lassen – fast wie im Märchen. Übrigens auch auf der Route liegt das wunderschöne Schloss Ippenburg. Das Schloss ist im Besitz eines anderen Zweiges der Familie von dem Bussche. Auch hier werden einige Bereiche bewohnt und andere stehen für Führungen zur Verfügung. Besonders bekannt ist Schloss Ippenburg durch seine liebevoll gestalteten Gärten – über die wir in der letzten Ausgabe der Heimatlust berichtet haben. Hier werden jedes Jahr fröhliche, bunte Festivals gefeiert. 

Ein absolut lohnender Zwischenstopp ist das Schloss Hünnefeld. Die Wasserburg stammt aus dem 13. Jahrhundert.

Des Rätsels Lösung

Weiter geht es eine wunderschöne Allee entlang. Die arme Kollegin, deren E-Bike scheinbar auch nach der Pause immer noch streikt, ist schon nach wenigen hundert Metern abgekämpft. Ein Rädertausch kommt für sie aber dennoch nicht infrage, sie möchte tapfer weiter Richtung Bohmte strampeln. Stattdessen halten wir lieber nach unseren kleinen „Gute Route“- Schildern Ausschau. In den Farben Grün und Lila sollte man meinen, dass sie schon auffallen, aber es sind ja nicht nur diese Schilder zu finden. Man macht schon große Augen, wie viele Schildchen dort hängen – da muss man schon genau hinschauen. Gut, dass im Team jemand mit besonders guten Augen ist, der die kleinen Schilder schon aus weiter Ferne ausmacht. Jedenfalls fürs erste. Kurz vor Bohmte und auf einer kleinen Steigung kann unsere Kollegin mit dem „Problembike“ nicht mehr gegen den vermeintlich kaputten Elektromotor antreten. Wir halten an und ich schaue mir das Fahrrad nun genauer an. Dabei kann ich mir ein schelmisches Lachen nicht verkneifen: Der Motor von Ihrem Bike ist nicht eingeschaltet. Nach einem Neustart saust uns die Kollegin davon und wir zwei haben es nun schwer, hinterher zu kommen! Zehn Kilometer gegen den Motor antreten! Nicht ohne, dafür, dass es einfach gehen sollte. Na ja, das Fitnessstudio hat sie sich so sicherlich gespart. Merke: Prüfe immer den Motor, bevor du losfährst! Das wird ihr wohl nicht so schnell wieder passieren. Wir haben alle Hunger und entscheiden uns kurzfristig, in Bohmte in das Landgasthaus
Gieseke-Asshorn einzukehren. Bei dem Familienunternehmen wird das Essen noch komplett selbstgemacht und das schmeckt man auch. Laut Routenplan der Guten Route gehört es zur Fairtrade-Gastronomie – in meinen Augen ein echter Pluspunkt. Wir haben von der Mittagskarte probieren dürfen und waren alle sehr zufrieden. 

Einmal durch Hunteburg und zurück

Jetzt fahren wir zügig durch Hunteburg, damit wir etwas Zeit gutmachen, die wir beim Mittagessen verloren haben. Wir folgen den Schildern und fahren eine wirklich schöne Strecke. Ab und an auf einer Bundesstraße, aber immer nur ein kurzes Stück, dann gibt es wieder abgelegene Wege. Manchmal hat man das Gefühl, bei Sonnenschein und Grillenzirpen irgendwo im Süden zu sein. Vielleicht in der Toskana? Südfrankreich? Wunschdenken? Ja klar! Aber es ist wirklich schön. Wir verfahren uns ein paar Mal kurz, weil wir entweder zu viel schnacken, oder aber die Schilder schlichtweg übersehen. Doch irgendwo hinter
Hunteburg kommen wir gänzlich vom Weg ab. Wir fahren in eine Richtung, die irgendwie nicht zu dem passt, zu der wir hin wollen. Erst sind die kleinen Schildchen noch da und im nächsten Moment, an einem Kreisel, sind sie verschwunden. Wir fahren  erst mal auf gut Glück weiter, aber irgendwie kommt uns das ganze spanisch vor. Als wir nicht mehr weiter wissen, schauen wir nun tatsächlich das allererste Mal auf die Karte und wissen immer noch nicht, wo wir sind. Erst Google Maps kann uns helfen und führt uns wieder zurück auf die „Gute Route“. Dann sehen wir auch, wo wir falsch abgebogen sind: An einer Kreuzung wird die Gute Route gleich in drei verschiedenen Richtungen ausgeschildert. Wie soll man da nun genau wissen, in welche Richtung es zum Ziel geht? Nun konnten wir wenigstens die Gegend um Hunteburg auf unserem Umweg genießen – ist doch auch nicht das schlechteste. Als wir dann wieder auf der richtigen Spur sind, kommen wir am Hunteburger Grillplatz vorbei. Ein schöner Platz zum Pausieren. Hier liegt auch die Römerbrücke. Sie ist ein Relikt der Burg Hunteburg aus dem Jahr 1424. Sie führt über den ehemaligen Burggraben, der in die „Alte Hunte“ mündet. Ein historischer Ort!

Kleine Pause am schönen Grillplatz in Hunteburg

An der Nordseeküste

Weiter geht es Richtung Dümmer. Je weiter wir fahren, desto stärker verändert sich die Natur. Irgendwann fühlt man sich, als würde man über flache Dünen fahren – außer, dass es keine Dünen sind und auch noch weit und breit kein Wasser zu sehen ist. Trotzdem erinnert dieser schöne Landstrich schon an die Küste. Und wenn ich meine Augen schließe, meine ich, Salz auf den Lippen zu spüren – und nein, damit meine ich keine Tränen. Der Wind rüttelt an den Frisuren. Wir fahren zum Schäferhof. Alles sieht sehr gemütlich aus – das Reetgedeckte Haus in dieser Lage ist einfach schön. Der Hof ist ein bedeutender Landschaftspflegehof mit mehr als 1000 Moorschnucken. Es hat eine tolle Atmosphäre. Wir erfahren, dass am dritten Augustsonntag ein Schäferhoffest stattfindet (so denn Corona dies zulässt). Noch mal eine schöne Möglichkeit, dem Schäferhof einen Besuch abzustatten. Jetzt aber geht es erst mal weiter.

An einigen Teilen der Guten Route fühlt man sich wie im 
Süden… (inklusive Grillenzirpen)

Kamikaze-Vögel und pure Entspannung

Wir fahren an einem Naturschutzgebiet vorbei. Das Land ist hier schon vollkommen flach und in der Luft fliegen bereits die ersten Wasservögel. Es sind sehr hübsche Arten dabei. Unter anderem flogen viele Kamikaze-Vögel herum. Einige dieser Vögel haben es auf uns abgesehen. Ich muss sogar einmal so sehr ausweichen, dass ich fast vom Bike gefallen wäre. Der Wind wird immer stärker – man merkt, das Wasser naht, aber mit Kapuze geht es dann weiter. Ich bin eine absolute Frostbeule und meine Mitfahrer amüsieren sich darüber, dass ich eingepackt bin wie im tiefsten Winter. So langsam wird es wegen des Windes und den vielen Vögeln anstrengend. Aber wir merken, dass es nicht mehr weit sein kann bis zum Wasser. Allerdings geht hier die Schnitzeljagd weiter, denn es fehlen irgendwann jegliche Schilder. Gott sei dank kennt sich jemand von uns aus und weiß in etwa, in welche Richtung wir fahren müssen. Geschafft! Am Zielpunkt angekommen. Jetzt trinken wir noch einen Kaffee im Café „Schokominza“. Es wurde uns auch von jemand Auswärtigen empfohlen. Das „Schokominza“ gibt es noch nicht lange und hat sich schon sehr etabliert. Eine tolle Leistung und wir kommen gerne wieder. So langsam tut uns allen nach knapp 40 Kilometern unser Allerwertester weh. So leicht das Fahren mit den E-Bikes auch ist – die Sättel könnten schon etwas bequemer sein. Aber jetzt sind wir ja angekommen. Wir wollen uns den Marissa Ferienpark anschauen, also schlucke ich meine Sattelbeschwerden herunter. Es sieht toll aus und fügt sich wunderbar in die Umgebung des Dümmers ein. Dann fahren wir wieder ein Stück zurück und lassen es uns nicht nehmen, den Tag in der berühmt berüchtigten „Bar dü Mar“ ausklingen zu lassen. Ich muss sagen, ich kannte die Bar noch nicht, aber das Flair ist einfach traumhaft. Urlaub für zwischendurch. Ich werde bestimmt wiederkommen. Dort, mit leckeren Getränken und Blick auf den Dümmer, ziehen wir unser Fazit: Die Gute Route macht, wenn man dann auch die Karte griffbereit hat, wirklich viel Spaß. Nachfahren dringlichst empfohlen! Vielen Dank auch an meine lieben Begleiter für den schönen, abenteuerlichen Tag!Außerdem danken wir auch der Tourist-Info aus Bad Essen für die freundliche Leihgabe der E-Bikes.

Gute Laune auf der Guten Route
Am Ziel angekommen: Die wunderschöne Ferienregion am Dümmer.
…und dann wiederum ist man kurze Zeit später an der Küste.