von Romy Riechert

Man hört die Jingle Bells wieder läuten. Auch wenn der Schnee noch nicht leise rieselt, so ist es nicht zu übersehen: Wir stecken mitten in der Weihnachtszeit, eine Zeit mit Kerzenschein und Leckereien. Für einige Menschen ist sie so was wie die fünfte Jahreszeit.

Weihnachtsmärkte, Lichterketten, Tannenbäume und der Duft von Lebkuchen und frischen Plätzchen: Die heilige Zeit im Jahr ist ein Fest für alle Sinne. Die Wärme von Kerzen und Tee, die Romantik und die Liebe machen das Weihnachtsfest zum beliebtesten Fest des Jahres.

Doch wer erwähnt den Stress, die Streitereien und den Ärger? Das Ganze fängt doch schon im November an. Die Weihnachtsmärkte machen ihre Tore auf und Horden von Glühweinsüchtigen pilgern hin. Eigentlich ist die Idee von Weihnachtsmärkten echt nett: Es gibt schöne Stände, tolle selbstgeschnitzte Figuren, gestrickte und duftende Kleinigkeiten lassen das Herz ein wenig höher schlagen. Es könnte alles so schön sein.

Die Realität sieht einfach anders aus. In der Masse der Adventswütigen wird man gequetscht und gedrückt. Ein positiver Effekt: Hat man mal zu viel getrunken, kann man wenigstens nicht umfallen. Negativ ist jedoch, dass es vor sich geht, wie in französischen Kreisverkehren: Lässt man sich einmal in die Mitte treiben, so hat man kaum eine Chance dort wieder rauszukommen. Nur der schafft es, der mit Ellenbogen und Mut die nächstgelegene Abfahrt nimmt.

Der Weihnachtsmarkt hat noch weitere „Vorzüge“, denn für einen „Berufszweig“ ist die Adventszeit ein wirklicher Segen. Taschendiebe haben leichtes Spiel. Wenn man gerade eine Runde Glühwein ausgeben will und merkt, dass das Portemonnaie geklaut wurde, dann kommen doch echte Gefühle hoch. Wenn dann noch der Betrunkene von nebenan anfängt, dich anzulallen und sich plötzlich über deine Schuhe übergibt, dann ist es doch wirklich ein perfekter Abend gewesen.

Dann gibt es den Stress der Weihnachtseinkäufe. Mann ist dann wieder sauer, dass Frau den fünften Weihnachtsstern und die hundertste Fensterdeko gekauft hat. Frau ist beleidigt und versteht gar nicht, wo das Problem liegt, denn schließlich will sie es ihrer Familie nur kuschelig im Heim machen. 

Zudem gibt es noch mehr Stress: Wem schenke ich was? Ist das Geschenk zu klein? Ist es vielleicht etwas übertrieben? Schenke ich wieder einen Staubfänger oder einen Gutschein? Der Wahnsinn des Beschenkens sollte meiner Meinung nach abgeschafft werden. Wenn ich meinem Patenkind einen süßen Teddy schenke und dann sehe, dass meine Schwägerin ihr das Barbietraumhaus schenkt, dann komme ich mir schon etwas komisch vor. 

Wenn ich dann Kinder frage, was sie sich wünschen und die Kinder sagen, „Weiß ich nicht, vielleicht Geld oder ein iPad?“, dann ist für mich der Punkt gekommen, an dem ich am liebsten nichts mehr schenken will, außer vielleicht einer Abschrift der Weihnachtsgeschichte. 

Jedes Jahr versucht man, das Weihnachtsfest so magisch und einmalig wie eben möglich zu gestalten. Doch klappt es? Nein! In der Küche ist es so warm wie in einer Sauna, der Braten wird liebevoll vorbereitet, so dass, wenn man aus der Kirche kommt, alle sich am schönen Mahl erfreuen können. 

Zusammen geht es dann in die Kirche. Irgendwann fängt das Kind an: Ich habe keine Lust mehr… Ich muss auf die Toilette. Was bleibt einem übrig? Man verlässt die Kirche und wenn sich das Kind erleichtert hat, sind die Sitzplätze weg. So steht man den Rest der Messe mit einem quengelnden Kind an der Seite. 

Dann geht es nach Hause. Nachdem Oma und Opa angekommen und die ersten Sticheleien losgeworden sind, kann es ans Essen gehen. Leider ist alles angebrannt. Von Besinnlichkeit keine Spur: Die Kinder streiten sich, die Erwachsenen meckern rum und man selber möchte eigentlich nur noch im Boden versinken. 

Vielleicht wäre alles leichter, wenn man die Sache entspannter angehen würde. Die Meisten versuchen, dem „Weihnachtszauber aus Kindertagen“ nachzujagen, doch wird es einfach nicht mehr so sein. Kinder sehen diese Zeit mit anderen, naiven und wundervollen Augen. Als Erwachsener verliert man diese Unbeschwertheit.

Man sollte sich klar machen, dass Pleiten, Pech und Pannen zum Weihnachtsfest einfach dazugehören und für viel Gelächter das ganze Jahr über sorgen können. Dieses Jahr wird sowieso alles etwas anders – aber nicht zwangsläufig schlechter: Kein Weihnachtsmarkt; Brieftasche bleibt daheim; Bedingte Einkaufsmöglichkeiten; weniger Stress mit dem Mann. Keine Geschenkideen; trendige Masken gehen jetzt immer. Keine Messe;  keine verlorenen Plätze, kein angebranntes Essen; Weniger Gäste; weniger Streit und Nervereien. Also wenn man es so sieht: dieses Jahr wird vieles besser!